Im Zeit-Raum

Vor-Reiten und Nach-Denken. Eine RadioKulturhaus-Gesprächsreihe mit Johannes Kaup

Visionär/innen, Vor- und Querdenker/innen aus Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Medien, Religion und der Zivilgesellschaft, präsentieren im Gespräch innovative, lebensdienliche Ideen für die heutige Lebensführung. Sie reflektieren soziale, kulturelle, ökonomische und politische Transformationsprozesse und geben so Denkanstöße für neue, individuelle und soziale Handlungsmöglichkeiten.


Montag, 18. Dezember 2017, 18:30 Uhr

"Alternative Fakten – Glanz und Elend der Satire auf der Bühne und in der Politik" -
Johannes Kaup spricht mit Josef Hader und Alfred Dorfer über die Rolle, Wirkungsweise und Zukunft der Satire.

1919, in einer politisch unruhigen Zeit, in der Satiriker und Kabarettisten wegen ihrer Aussagen staatliche Verfolgung und Repressalien zu befürchten hatten, schrieb Kurt Tucholsky in einem berühmten Aufsatz: "Was darf Satire? Alles!" – 100 Jahre später ist zumindest in Europa die politisch-gesellschaftliche Situation eine völlig andere. Der Spielraum für öffentlich geäußerte humorvolle Kritik ist so groß wie noch nie und in der Regel werden Satiriker auch im Falle von Anklagen vom Rechtstaat im Namen der künstlerischen Meinungsfreiheit geschützt. Es sind heute allenfalls gewaltbereite islamistische Extremisten, die sich an der Satire noch so stoßen, dass sie wie im Fall "Charlie Hebdo" auch vor einem Mord an den Urhebern des mitunter beißend-zynischen Spotts nicht zurückschrecken.

Als der deutsche Kabarettist Jan Böhmermann mit einem weit unter der Gürtellinie angesiedelten "Schmähgedicht" den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan beleidigte, klagte der so Geschmähte vor Gericht und die Sache wurde wider Erwarten aufgrund von diplomatischen Verwicklungen zu einer Staatsaffäre aufgebauscht. Eines zumindest hat die Affäre Böhmermann gebracht: Man diskutierte fortan heftig über den Sinn und die Grenzen der Satire. Darf Satire wirklich alles? Sollte Satire nicht auch gewisse Niveaugrenzen beachten? Und welche Verantwortung haben Satiriker im Allgemeinen?

Sieht man von autoritär regierten Systemen wie aktuell beispielsweise der Türkei ab, dann ist die Satire heute allerdings von einer ganz anderen Seite herausgefordert. Die Satire auf der Bühne scheint längst von der politischen Realsatire – Stichwort "Alternative Fakten" – eingeholt
zu werden. Wenn man beispielsweise die durchaus unterhaltsamen medialen Auftritte von Donald Trump verfolgt, so weiß man oft nicht, ob man darüber lachen, weinen oder wütend sein soll. Wäre der schillernde Immobilien-Mogul nicht Präsident der Vereinigten Staaten, der unverhohlen mit dem Einsatz des größten Nuklearwaffen-Arsenals droht, könnte man seine Tweets durchaus als originelle politische Beiträge zur Kultur der Satire lesen. Was kann, was soll und was darf Satire in einer Zeit, in der Realsatiriker wie Donald Trump der professionellen Konkurrenz den Rang abzulaufen scheinen? Beide operieren ja, wenn auch mit ganz unterschiedlichen Intentionen, mit dem Genre der "Alternativen Fakten".

Welche Rolle hat der satirische Humor heute noch, wenn er versucht, gesellschaftliche Missstände, hohle Machtansprüche und die Manipulation der öffentlichen Meinung zu entlarven? Wann ist Satire nur Ventil und dient eigentlich der Bestätigung des Status quo? Wem dient die Satire? Und: Wohin könnte sie sich heute weiterentwickeln? Diese Fragen diskutiere ich mit zwei unbestrittenen Größen der heimischen Satire-Szene: Josef Hader und Alfred Dorfer. Am Beginn der kabarettistischen Biografie der beiden Ausnahmebühnenkünstler stand das tragikomische Theaterstück "Indien", das eine spezifisch österreichische Mischung aus "Lachen und Runterschlucken" darstellt. Das Stück wurde mit dem Österreichischen Kleinkunstpreis ausgezeichnet und 1993 von Paul Harather erfolgreich verfilmt.


Donnerstag, 11. Jänner 2018, 18:30 Uhr

Die Heilkraft der Bäume – und wie die Wissenschaft sie entschlüsselt. Johannes Kaup im Gespräch mit dem Holz-Pionier Erwin Thoma.

Dass Bäume eine Heilkraft auf den Menschen haben, lässt sich heute wissenschaftlich nachweisen. Die ETH Zürich brachte Klarheit in die kontroversen Debatten über "Mondholz" und die Medizinische Fakultät der Universität Graz wies nach, dass das Leben in Holzräumen nicht nur unser Immunsystem, sondern auch unser Herz stärkt. Die interdisziplinär forschende Bionik (auch Biomimetik) beschäftigt sich mit Erfindungen der Pflanzen- und Tierwelt und dem Übertragen von Phänomenen der Natur auf die Technik – denn die Natur entwickelt im Anpassungsprozess an wechselnde und oft schwierige klimatische Umweltbedingungen immer wieder neue und sich verbessernde Lösungen. Warum und wie trägt Holz zu besserer Gesundheit und sogar längerem Leben bei? Wie findet man heute Holz, das chemisch unbehandelt und langlebig ist? Warum hat "Mondholz" einzigartige Qualitäten für dauerhafte Holzkonstruktionen? Wie kann der Werkstoff Holz zu einem Beispiel für eine Kreislaufwirtschaft werden, für eine energieautarke Industrie, für erneuerbare Energien, für mehr Lebensqualität und Lebensfreude?

Ing. Dr. Erwin Thoma, geboren 1962 in Bruck am Großglockner im Bundesland Salzburg, beschäftigte sich als Förster in den Wäldern des Tiroler Karwendelgebirges jahrelang mit den Geheimnissen der Bäume und dem alten Wissen über Holz. Dieses Wissen brachte er in seine später gegründete Holzbaufirma ein, um Häuser zu errichten, die zu 100 Prozent aus Holz sind und nicht chemisch behandelt werden. Sein Weltpatent und seine Neuentwicklungen werden derzeit an mehreren europäischen Universitäten untersucht. Für seine Vollholzbauten wurde Thoma mehrfach international ausgezeichnet und er erhielt die bislang einzige "Cradle to Cradle"-Gold-Zertifizierung für Baumaterial. Mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebt Erwin Thoma heute in Goldegg. Er beschreibt Bäume wie Weggefährten und gibt sein Wissen in Vorträgen und zahlreichen Bücher weiter. Zuletzt erschienen sind "Die geheime Sprache der Bäume" sowie "Holzwunder".


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info Bitte beachten Sie, dass veranstaltungstechnische Lichteffekte (z. B. Stroboskope) zum Einsatz kommen können, sowie dass es aufgrund von (Live-)Musik zu einem erhöhten Lautstärkepegel kommen kann.


 Allgemein gelten folgende Zeiten und Ticketpreise:

 Ticketpreise: € 17,00 inkl. USt.

 Veranstaltungssort: ORF RadioKulturhaus, Argentinierstraße 30a, 1040 Wien

 Akreditierung: 18:00 - 18:30 Uhr                                                                               
 Saaleinlass: ca. 18:15 Uhr                                                                                    
 Veranstaltung: 18:30 - ca. 20:00 Uhr

 

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